Ziele
„Bist du lesbisch oder Migrant_in? – Nein!” – so warb ein Plakat 2009 für eine von der Berliner Organisation LesMigraS initiierten Studie zu Mehrfachzugehörigkeiten und war eine der ersten ihrer Art. Die Themen Migrations- und Rassismuserfahrung sowie LSBTIAQ* Identitäten werden ansonsten meist isoliert voneinander betrachtet. Auch auf gesellschaftspolitischer Ebene, in Selbsthilfeorganisationen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit werden diese Themen oft getrennt voneinander behandelt. Dadurch werden Menschen, die von Rassismus sowie LSBTIAQ*-Feindlichkeit gleichzeitig betroffen sind, unsichtbar gemacht. Dabei haben Menschen, die von verschiedenen und sich überschneidenden Diskriminierungen betroffen sind, spezifische Erfahrungen, die nicht so klar nur einer Diskriminierungsebene zuzuordnen sind. In NRW werden diese Erfahrungen von schätzungsweise einer Viertelmillion Menschen gemacht.
Im öffentlichen Diskurs werden die Zugehörigkeiten LSBTIAQ* sowie BPoC, mit Flucht- und Migrationsgeschichte häufig sogar nicht nur als Gegensatz gesehen, sondern auch als mit Problemen behaftet empfunden. Homo- und Trans*feindlichkeit wird von rechtspopulistischen Akteur_innen bei Einwander_innen verortet und weiterhin bestehende Stereotypisierung und Diskriminierung von LSBTIAQ* in der Gesamtgesellschaft Deutschlands dabei ausgeblendet.
#MAQ möchte Sichtbarkeit und Verständnis für Mehrfachdiskriminierung schaffen, Menschen mit Mehrfachzugehörigkeit stärken und für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in ihrer Verschränkung mit Rassismus sensibilisieren.
Unsere Beratungs- und Sensibilisierungsangebote richten sich an Träger_innen und Multiplikator_innen der:
- haupt- und ehrenamtlichen LSBTIAQ*- Selbsthilfe und Communitys
- Sozialen Arbeit, Beratungs- und Bildungsarbeit
- migrantischen Selbstorganisationen
- Empowermentstrukturen von Menschen mit Rassismuserfahrungen
- Verbände und Vereine religiöser Gemeinschaften
- Einrichtungen der Migrations- und Integrationsarbeit
#MAQ fördert und organisiert die Vernetzung von lokalen LSBTIAQ*, migrantischen, Geflüchteten sowie BPoC Selbstorganisationen, Integrationsagenturen, religiösen Verbänden und Vereinen mit dem Ziel, perspektivisch gemeinsame Veranstaltungen und Projekte durchzuführen. Das zentrale Ziel ist das Empowerment, insbesondere die Schaffung und Stärkung eigener Strukturen von und für Queers of Color in NRW.
Mit der vermehrten Flucht von Menschen nach Deutschland in den Jahren 2015 und 2016 wurden bereits Angebote in NRW für queere geflüchtete Menschen geschaffen. Dabei ist es wichtig, von der akuten Nothilfe und Unterstützung für geflüchtete LSBTIAQ* hin zu langfristiger Teilhabe, Interessensvertretung und Repräsentation zu gelangen. Außerdem möchte #MAQ die Vielfalt der Migrationsgeschichten sichtbar machen und neu nach Deutschland geflüchtete Menschen mit Menschen anderer Einwanderungsgenerationen und -biografien zusammenbringen.